Kapitel Zwei
Am Nachmittag des nächsten Tages sah sich Daisy die neuesten Trends in der Herren-Herbstmode an, während sie ihrer Gebäck- und Teeauslage bei Men’s Trends den letzten Schliff verpasste. Pullover mit Schalkragen sowie im Waffelstrick waren wieder in Mode. Kapuzenpullover mit Color-Blocking hingen neben Raglansweatern mit Rundhalsausschnitt an den Ständern.
Ryan hatte am liebsten klassische Pullover mit Zopfmuster getragen, aber er war ja auch ein traditioneller, oder vielleicht sollte man sagen, ein altmodischer Kerl gewesen. Er hätte nie die Lederjacke mit Pelzsaum getragen, oder den schwarz-orangen Anorak. Er hätte möglicherweise den zweireihigen Parka anprobiert, weil er retro war und vielleicht seine traditionelle Gesinnung angesprochen hätte. Was die Sportsakkos betraf … er wäre vielleicht dem Blazer im Hahnentrittmuster erlegen, aber nicht mit seinem fallenden Revers. Das schwarze Haifischleder wäre raus. Das Karomuster konnte man definitiv vergessen. Er hätte behauptet, dass der Blazer mit Blumenmuster nicht ins Geschäft gehörte.
Aber bei Men’s Trends ging es nun einmal um Modetrends, von Hugo Boss und Kenneth Cole über Saint Laurent bis hin zu Brioni. Harvey Fitz nahm auch die Maße für maßgeschneiderte Anzüge. Er hatte einen tadellosen Ruf als Herrenausstatter, und Men’s Trends war der Grund dafür.
Daisy streute etwas Puderzucker auf die Schokoladenkekse mit Schokostückchen. Sie wusste, dass die Kekse allen auf der Zunge zergehen würden.
Als sie ihre Aufmerksamkeit der Sandwichplatte zuwandte, stellte sie zufrieden fest, dass Tessa die dreieckigen Scheiben mit einem Avocadoaufstrich und Salami belegt hatte, und andere mit geräucherter Pute und Frischkäse. Fürs Erste hatten sie Earl Grey und einen mit Pfirsich aromatisierten Grünen Tee ziehen lassen. Harveys Manager, Bennett Topper, hatte ihr heute Morgen geholfen, drei hohe Tische hereinzutragen, wo die Kunden im Stehen Tee trinken und süßes Gebäck essen konnten. Das schien ihr das vernünftigste Vorgehen zu sein.
Als die Kunden stehen blieben, um die Kekse und Sandwiches zu probieren, schnappte sie Gesprächsfetzen auf, die ihr zeigten, dass diese Männer und Frauen aus einer Gehaltsklasse kamen, die sie niemals erreichen würde. Sie sprachen von Reisen nach Europa und BMWs, Kreuzfahrten im Mittelmeer und Ausflügen nach Thailand.
Wie reich war Harvey Fitz genau?
Wie so oft achteten die Menschen um den Tisch mit dem Tee und Gebäck herum nicht auf sie. Es war, als wäre sie bloß Teil der Einrichtung. Das Gefühl hatte sie in ihrer Teestube nicht. Dort war Konversation das Wichtigste. Sie war entscheidend für ihren Erfolg. Die Kunden kamen dorthin, um zu plaudern und sich zu entspannen. Geschäftsmänner wollten einen effizienten Service. Es sprach sich langsam herum, dass sie Konversation, Erholung und verflixt gutes Essen bot.
Daisy hatte den Wasserkocher für den Tee in den Pausenraum neben Harveys Büro gestellt. Jetzt kam Tessa den kurzen Flur herunter, mit zwei Teekannen in den Händen, die mit bestickten Kannenwärmern bedeckt waren. Sie stellte sie zwischen die ausliegenden Lichterketten, Blumensträuße und Süßigkeiten. Auf den anderen Tischen stellte sie noch Weißen Tee mit Nashi-Birne und Granatapfeltee hinzu. Der Granatapfeltee war einer von Daisys Favoriten. Es war eine Ceylon-Schwarzteemischung aus Sri Lanka mit süß-saurem Granatapfelgeschmack.
„Ganz schön viel los“, sagte Tessa, während sie Tassen und Untertassen vorbereitete.
„Glaubst du, sie sind wegen des Tees hier oder wegen der Mode?“, scherzte Daisy.
„Wahrscheinlich eher für die kostenlose Kekse“, erwiderte Tessa mit einem ironischen Lächeln.
Daisys Konzentration wurde abrupt von dem Tee und dem Gebäck durch eine Frau abgelenkt, die Harvey Fitz zwischen den Krawattenregalen hinterhereilte.
„Harvey. Jetzt lauf doch nicht vor mir weg“, protestierte die Frau. „Ich weiß, dass deine Scheidung bald durch sein wird, und ich glaube, wir sollten reden.“
Bennett Topper, der Manager, trat geschmeidig zwischen die Frau und Harvey.
„Miss Darren“, sagte Bennett Topper, „Mr. Fitz kümmert sich um den Tag der offenen Tür anlässlich seines fünfundzwanzigsten Jubiläums. Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt für ein Gespräch. Vielleicht könnten Sie mit ihm einen Termin für nächste Woche vereinbaren.“
Harvey floh eilig in sein Büro und schloss die Tür.
Daisy kam nicht umhin, sich zu fragen, in welchem Verhältnis er zu dieser Miss Darren stand. Es ging sie wirklich nichts an. Andererseits, wenn Tante Iris mit Harvey involviert war, tat es das vielleicht doch.
Ein Paar, das unschlüssig neben den Hemden gestanden hatte, bewegte sich plötzlich in Richtung der Kekse. Sie nickten Daisy zu. Der Mann nahm sich einen Schokoladenkeks, die Frau einen der Zitronenkekse. Sie schienen Daisy nicht für voll zu nehmen, als sie sich abwandten.
Mit ihren schulterlangen, welligen blonden Haaren und blauen Augen wurde Daisy meistens unterschätzt. Wegen der blonden Haare? Nicht ganz. Aber Lehrer, und jetzt, als sie erwachsen war, Geschäftsleute, schienen zu denken, dass sie nur aus einem hübschen Gesicht bestand und keine ernstzunehmenden Interessen hatte. Zumindest, bis sie sie kennenlernten. Danach erkannten sie, dass sie so ernst wie ein Hurrikan der Stufe Vier sein konnte, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte. Oder wenn jemand, den sie liebte, bedroht wurde.
Im Augenblick hörte sie allerdings der Unterhaltung des Pärchens zu, während sie Teetassen und Untertassen zusammenstellte. Der Mann sagte: „Diese Miss Darren ist seit Jahren hinter ihm her. Jetzt, wo Harvey sich endlich scheiden lässt, will sie wahrscheinlich mit ihm ins Bett.“
„Vielleicht hat sie noch nicht von der neuesten Änderung in seinem Testament gehört“, antwortete die Frau. „Zuerst könnte er die Hälfte seines Vermögens durch die Scheidung verlieren. Und Agnes hat mir erzählt, dass er sein Testament umgeschrieben hat, um es seinem Scheidungsverfahren anzupassen. Er spendet jetzt alles an Wohltätigkeitsorganisationen.“
„Obwohl er einen Sohn und eine Tochter hat, die auf sein Erbe warten?“, fragte der Mann.
„Agnes sagte, dass er sie enterbt, weil sie beide denken, dass ihnen sein ganzer Besitz zusteht. Sein Sohn, Daniel, ist unzufrieden, egal, wo er eine Arbeit beginnt.“
„Ich habe gehört, als Daniel hier angefangen hat, hat er mehr Sachen anprobiert als verkauft.“
„Und Harveys Tochter ist genau wie ihre Mutter. Sie gibt jeden Cent aus, den sie verdient. Keiner von ihnen hat sein Vermögen verdient.“
„Sie sind seine Kinder“, erinnerte der Mann sie.
„Genau“, stimmte die Frau zu. „Sie sind seine Kinder. Aber besuchen sie ihn denn überhaupt, essen sie mit ihm, verbringen sie Zeit mit ihm? Sie haben sich bei der Scheidung auf die Seite ihrer Mutter gestellt, also warum sollte er ihnen irgendwas hinterlassen?“
Das alles war Daisy neu, und sie fragte sich, ob es auch ihrer Tante neu wäre. Schließlich würde Tante Iris, wenn sie es ernst mit Harvey meinte, mit seinen Kindern und möglicherweise seiner Exfrau zu tun haben.
Tante Iris hatte ein weiches Herz, und Daisy konnte sie sich nicht in einer Welt vorstellen, in der sie sich mit Menschen wie Miss Darren auseinandersetzen müsste … und vielleicht sogar Harveys Frau.
Zwei Stunden später bremste Daisy vor den schrägen Parkplätzen mit Anbindepfosten für die Amischen Kunden ihrer Teestube, die mit Pferdekutschen fuhren. Sie bog mit ihrem Van links auf den Weg ab, der zu ein paar privaten Parkplätzen an der Rückseite des Gebäudes führte. Kunden mit Behinderungen konnten den Bereich ebenfalls nutzen. Sie parkte immer hier, wenn sie außerhalb für das Catering zuständig gewesen war und den Van einladen oder ihn nach einer Feier ausladen musste.
Der Nachmittagstee drinnen sollte inzwischen vorbei sein. Iris, Karina Post, eine befristete Mitarbeiterin, die hauptsächlich beim Nachmittagstee aushalf, und Cora Sue Bauer würden die Tische abräumen und die Kunden bedienen, die nach Feierabend am Freitagnachmittag bei ihnen vorbeikamen. Eva würde sich um die Küche kümmern.
Bevor Daisy und Tessa aus dem Van stiegen, fragte Tessa sie: „Sind wir wirklich bereit für Sonntag und Harveys offizielle Jubiläumsfeier?“
„Hoffentlich. Er mietet die Teestube für den Tag und zahlt uns eine Menge Geld.“
„Das müssen wir öfter machen. Es würde unserem Umsatz guttun.“
Das wusste Daisy, aber sie schloss ihre Teestube nur äußerst ungern für ihre regulären Kunden. „Ich werde am Sonntag um sechs Uhr morgens anfangen, um dafür zu sorgen, dass die Zitronenkekse frisch gebacken sind. Der Teig für die anderen Kekse und die Scones wird auch schon bereitstehen, damit er geformt und gebacken werden kann. Aber das machen wir morgen“, erinnerte sie Tessa. „Alle Zutaten für die Salate werden schon vorbereitet sein, zusammen mit den Dressings. Die Minikäsekuchen müssen nur aufgetaut werden, und ich werde als Allererstes mit der Suppe anfangen.“
„Das neue Rezept für eine Kartoffel-Lauch-Suppe?“
„Ich glaube, die wird gut schmecken.“
„Wird Karina uns bei der Bedienung helfen?“
„Jazzi, Karina und Cora Sue werden den Großteil der Bedienung übernehmen. Iris wird den Tee im Auge haben, während du und Eva die Küche bemannt. Ich glaube, wir haben an alles gedacht. Wie wär’s, wenn wir reingehen und selbst eine Tasse Tee trinken, bevor wir ausladen?“
„Klingt gut.“
Um ein erfolgreiches Unternehmen zu führen, mussten alle Beteiligten gut zusammenarbeiten können. Daisys Rapport mit Iris war perfekt für die Arbeitswelt. Schließlich hatte sie ihre Koch- und Backkünste neben ihrer Mutter zu großen Teilen ihrer Tante zu verdanken. Daher fühlte es sich vollkommen natürlich an, mit ihr zusammen in der Küche zu stehen. Die Arbeit mit Tessa war ebenfalls angenehm. Sie kannten sich bereits so lange, dass sie nicht aufpassen mussten, was sie sagten, oder überlegen mussten, worüber sie reden sollten. Tessa war eine gute Freundin, und Daisy war dankbar, dass sie dieses Abenteuer mit ihr zusammen bestritt.
Eine steife Brise blies heruntergefallene Blätter hierhin und dorthin, während sie und Tessa um die Ecke der Teestube gingen. Sie hätten die Küchentür benutzen können, aber Daisy schaute gerne nach den Kräutern und Blumen im Garten hinter der Terrasse. Eine Fülle von Chrysanthemen in lila, gelb, dunkelorange und cranberry-rot bildeten eine Art Grenzwall. Niemand saß draußen an den Tischen. Als Daisy einen Topf mit Rosmarin streifte, wehte ihr sein Geruch entgegen.
Zwischen die Kräuter waren Blumen gepflanzt worden, sowohl als dekoratives Element als auch für ihren Duft. Der Zieroregano war dieses Jahr ein besonders auffälliger Blickfang gewesen. Zwischen den großen Töpfen auf der Terrasse standen drollige Statuen – ein dreißig Zentimeter großes Einhorn und eine Bronzekatze, die auf einem Stein saß und ein Buch las, mit einer Brille auf der Nase. Eine LED-Kerze mit einem Timer leuchtete in einem hohen Windlicht neben dem Seiteneingang, da es jetzt spätnachmittags bereits anfing zu dämmern.
Tessa trat zuerst ein, und Daisy ließ die Tür hinter ihnen ins Schloss fallen. Drinnen sah sie eine Gruppe an einem Sechsertisch, die fröhlich miteinander plauderten. Daisy wusste nie, ob der Freitagnachmittag ruhig werden würde, weil die Einwohner nach Hause eilten, um sich für das Wochenende bereit zu machen, oder ob viel los sein würde, weil Grüppchen von Geschäftsleuten entschieden hatten, dass eine Tasse Tee und ein Scone nach Feierabend genau das Richtige waren, bevor sie ins Wochenende starteten. Heute sah sie zu ihrer Freude, dass drei andere Tische ebenfalls besetzt waren. Ein volles Haus zum Nachmittagstee und ein stetiges Einkommen waren alles, was sie sich wünschen könnte.
„Wie ist es gelaufen?“, fragte Iris Daisy und Tessa.
„Es ist nicht viel übrig geblieben“, versicherte Daisy ihr. „Und alle Teesorten sind gut angekommen. Harveys Kundschaft kennt sich mit Tee aus.“
Iris lachte. „Das hat er auch gesagt. Ich glaube, er hat mehrere Freunde aus England, die damit angefangen haben.“
Die Sechsergruppe im Hauptraum der Teestube stand auf. Einer von ihnen winkte Iris zu und rief: „Das Apfelbrot ist besonders lecker. Nächstes Mal muss ich wohl einen ganzen Laib bestellen, wenn es wieder Ihr Leckerbissen des Tages ist.“
„Es freut mich, dass es Ihnen geschmeckt hat“, rief Iris zurück.
Als die Gruppe das Café verließ und es ruhiger wurde, folgte Daisy Tessa in die Küche.
Tessa fragte Daisy: „Wie wäre es mit einer Kanne Grüntee mit Hagebutten?“
„Das klingt beruhigend. Genau das, was ich brauche.“
Während Tessa Wasser aus einem Teeautomaten mit Temperaturregelung laufen ließ, sagte sie: „Wir hatten heute Nachmittag kaum Zeit, uns zu unterhalten. Ich habe ein paar Neuigkeiten.“
„Was für Neuigkeiten?“
„Ich bringe einige meiner Bilder zu Revelations. Reese Masemer hat sich bereit erklärt, meine Werke auszustellen. Anscheinend hatte er einen Künstler eingeplant, der noch nicht fertig war, und Reese hat mir jetzt diesen Termin überlassen.“
„Das ist wunderbar!“ Daisy umarmte ihre Freundin. Obwohl Tessa mit Daisy in der Teestube arbeitete, galt ihre wahre Liebe der Kunst. Jede freie Minute verbrachte sie oben und malte. Sie hatte den Dachboden des viktorianischen Hauses in ein Atelier verwandelt, und es war perfekt für sie.
„Vielleicht werden alle deine Bilder verkauft.“
„Davon habe ich fast nicht zu träumen gewagt.“
„Wenn du es dir vorstellen kannst, ist es möglich“, versicherte Daisy ihr. Das sagte sie dauernd zu ihren Töchtern.
„Apropos vorstellen und träumen“, sagte Tessa verschlagen, „wie ist das Abendessen mit Cade gelaufen?“ Sie kannte Cade ebenfalls von der High School, aber nicht so gut wie Daisy es getan hatte.
„Es lief gut“, sagte Daisy, obwohl sie sich da nicht sicher war. Nach Cades überraschender Bemerkung über den Abschlussball hatte er sich wie ein langjähriger Freund verhalten, und nicht wie ein Mann, der romantisches Interesse an ihr hatte.
„Hat er dich nach einem Date gefragt?“
„Nein“, sagte Daisy mit einem Schulterzucken.
„Hat er versucht, dich zu küssen?“
„Nein“, sagte Daisy erneut, als ob es keine Rolle spielte. Sie wusste nicht einmal, ob es das tat. „Es kann sein, dass es ihm nicht gefallen hat, dass ich den ersten Schritt gemacht habe – du weißt schon, ihn zum Abendessen eingeladen habe.“
„Sei nicht albern. Heutzutage finden Männer das attraktiv.“
Cade schien es nicht attraktiv gefunden zu haben, obwohl sie sich zu ihm hingezogen fühlte. Vielleicht machte sie sich etwas vor, wenn sie dachte, dass sich etwas Romantisches zwischen ihnen entwickeln könnte.
Bevor sie sich weiter unterhalten konnten, vibrierte Daisys Handy in ihrer Hosentasche. Sie hatte den Vibrationsalarm angestellt, während sie sich unter Harveys Kunden gemischt hatten.
Als sie es aus ihrer Hosentasche zog, sah sie Violets Nummer. Sie sagte zu Tessa: „Es ist Vi. Da muss ich rangehen.“ Sie nahm immer ab, wenn ihre Kinder anriefen. Sie standen stets an erster Stelle.
„Was gibt’s, Schatz?“, fragte Daisy Vi, während sie zu ihrem Büro ging.
Violet legte sofort los. „Ich habe ja gesagt, dass ich nächstes Wochenende vielleicht nach Hause komme?“
„Ja.“ Jazzi freute sich so sehr darauf, ihre Schwester zu sehen, und Daisy vermisste ihre Älteste mehr, als sie je in Worte fassen könnte.
„Ich glaube nicht, dass das was wird. Es ist so verrückt hier – verrückt auf eine gute Art, und ich liebe es einfach. Tatsächlich komme ich vielleicht erst an Thanksgiving nach Hause.“
Erleichterung durchströmte Daisy, dass Violet sich so gut auf dem College eingelebt hatte. Dennoch wog die Bestürzung schwer auf ihr. Sie spürte deutlich die Auswirkungen eines halbleeren Nests, besonders, wenn Jazzi sich von ihr zu entfernen schien.
„Erst an Thanksgiving?“, wiederholte sie und versuchte, ihre Stimme neutral zu halten, damit Vi nicht hören konnte, wie enttäuscht sie war.
Aber ihre Tochter musste ihr die Enttäuschung angehört haben. „Das ist doch gar nicht so lange hin, Mom. So beschäftigt wie du bist, und so beschäftigt wie ich bin, steht Thanksgiving im Handumdrehen vor der Tür.“
„Ich schätze, du hast recht. Wenn ich noch mehr Feiern wie die am Sonntag buche, habe ich keine Zeit, an irgendwas anderes zu denken.“ Obwohl das natürlich nicht stimmte. Sie dachte jede wache Minute und oftmals auch im Schlaf an ihre Töchter.
„Du wirst das am Sonntag rocken, Mom. Mach eine Knallerparty draus, die Willow Creek nie vergessen wird.“
Daisy war sich nicht sicher, ob sie eine Knallerparty veranstalten würde. Sie hoffte einfach nur, dass ihre Kellnerinnen keinen Tee über den Leuten verschütten würden.
***
Am Sonntag tätschelte Tante Iris Daisys Schulter. „Wir haben uns selbst übertroffen.“
Als Daisy den Blick über Harvey Fitz’ fünfundzwanzigste Jubiläumsfeier schweifen ließ, musste sie ihrer Tante zustimmen. Weiße Tischdecken verliehen der Einrichtung ein makelloses Aussehen. Porzellangeschirr im Retrostil mit Rosen, Tulpen und einem goldenen Rand hieß jeden willkommen, der sich an einen der gedeckten Plätze setzte. Vornehme Spitzendeckchen lagen auf Etageren. Die Gäste konnten zwischen Kannen mit Grünem, Schwarzem und Oolong Tee wählen, darunter Daisy’s Blend, ein entkoffeinierter Grüner Tee mit Himbeer-Vanille-Aroma.
„Tessas Roggensandwiches mit Räucherlachs auf Frischkäse haben sie als Erstes verschlungen“, kommentierte Daisy. Sie wussten nie, was bei den Gästen am besten ankommen würde.
„Die Zitronenkekse sind ein Hit, genau wie die Erdbeerschichttörtchen.“
„Harvey scheint mit allem zufrieden zu sein.“
Er tunkte gerade seinen Löffel in die Kartoffel-Lauch-Suppe, die Daisy gekocht hatte. Sein Gesichtsausdruck verriet, dass es ihm schmeckte.
Tessa ging an Iris und Daisy vorbei, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass beim Service alles rundlief. „Ich glaube, es wird Zeit zum Anstoßen. Vielleicht beendet das den Streit zwischen Harvey Fitz’ Tochter und seinem Sohn.“
Als Daisy zu ihnen hinübersah, schienen sich die Geschwister aus irgendeinem Grund zu zanken. Daniel war ein gutaussehender junger Mann Mitte zwanzig. Sein hellbraunes Haar war stylisch gegelt, und seine aristokratische Nase glich der seines Vaters. Allerdings war sein Gesichtsausdruck finster, und seine düstere Miene ließ ihn weit weniger hübsch aussehen. Harveys Tochter, Marlene, wackelte mit einem langen, eleganten Finger vorm Gesicht ihres Bruders. Ihre blonden Haare waren oben zu einem unordentlichen Dutt zusammengebunden, und Daisy bemerkte, dass man ihren Ansatz sah. Sie war offensichtlich von Natur aus braunhaarig. Daisy fragte sich, ob es vielleicht nur Strähnchen waren. Wer wusste das heutzutage schon?
„Eine Tischrede wäre jetzt gerade eine gute Idee“, stimmte sie zu.
Sie goss sich eine Tasse Tee ein und stellte sich an Harveys Tisch. Das hatte sie früher schon auf Geburtstagspartys, Jubiläen und Abschiedsfeiern gemacht. Die Teestube wurde langsam eine beliebte Lokalität für all diese Feierlichkeiten. Aber sie hatte ihren Laden noch nie den ganzen Tag an jemanden vermietet, der so gute Beziehungen hatte und so reich war wie Harvey Fitz. Als sie sich ihm gegenüber zwischen seinen Sohn und seine Tochter stellte, hörten sie auf zu streiten, da sie bemerkten, dass eine öffentliche Ansage folgen würde.
Daisy klingelte mit einem Kristallglöckchen, das ein hübsches Klimpern von sich gab. Sie hatte es in ihrer Schürzentasche versteckt. Es war perfekt für Anlässe wie diesen.
Alle Anwesenden sahen sie an, und sie lächelte. „Wir von Daisy’s Tea Garden freuen uns, Harvey und seine Familie und Freunde heute hier begrüßen zu dürfen. Harvey Fitz’ Geschäftssinn hat Men’s Trends seit all den Jahren zu einem fulminanten Erfolg gemacht. Harvey, wir möchten, dass du weißt, dass wir deine Leistungen anerkennen und loben. Wir hoffen, dass dir deine Feier hier in der Teestube genauso viel Freude macht wie uns, dich hier zu haben.“
Sie hob ihre Teetasse. „Auf Harvey Fitz. Auf den Erfolg, Gesundheit, Glück und mindestens fünfundzwanzig weitere Jahre.“
Der ganze Raum stand auf, um zu applaudieren, nachdem sie an ihrem Tee genippt hatten, auch wenn Harveys Kinder zu den letzten gehörten, die sich erhoben. Sie sahen aus, als wüssten sie, dass sie ihrem Vater die nötige Ehre erweisen mussten.
Daisy schaute zu ihrer Tante und sah den bewundernden Ausdruck in ihrem Gesicht, als sie Harvey beobachtete. Wusste Tante Iris, worauf sie sich bei dieser Familie einließ? Glaubte sie, dass Harveys Kinder getrennte Wege gehen und sich nicht mit ihrem Vater oder ihr befassen würden?
Liebe machte manchmal wirklich blind, dachte Daisy.
Plötzlich flog die Eingangstür der Teestube auf. Obwohl Daisy das Schild aufgehängt hatte, auf dem GESCHLOSSEN stand, hatte sie die Tür nicht abgeschlossen. Harveys Gäste sollten sich nicht eingesperrt fühlen. Aber jetzt wünschte sie, sie hätte die Tür versperrt, denn die Frau, die hereinstürmte, sah eingebildet und fuchsteufelswild aus.
Alle auf Harveys Gästeliste waren erschienen und abgehakt worden. Daisy wusste nicht, wer diese Frau war, aber sie hatte das Gefühl, dass sie es gleich herausfinden würde. Sie hatte langes, welliges rotes Haar, das nur zu offensichtlich gefärbt war, rote manikürte Nägel und eine Prada-Handtasche. Rasch hatte sie den Raum abgescannt und ging schnurstracks auf Harvey zu.
In einen orangen und braunen Anzug gekleidet, schüttelte sie die Faust vor seinem Gesicht. „Ich lasse dich nicht damit davonkommen, dass du deine Vermögenswerte versteckst.“
Man musste es Harvey hoch anrechnen, dass er nicht in gleichem Ton antwortete. Stattdessen, während sich alle anderen sichtlich eingeschüchtert hinsetzten, stand Harvey hoheitsvoll auf.
„Ich versichere dir, Monica, dass ich nichts verstecke.“
„Das glaube ich dir keine Sekunde“, zickte sie zurück. „Du rufst mich nie zurück. Du machst nie die Tür auf, wenn ich bei dir klingele. Du versteckst sehr wohl etwas.“
Also das war Harveys Frau. Daisy betrachtete Monica, dann ihre Tante, und schüttelte dann einfach nur den Kopf.
Harvey antwortete: „Meine Finanzen sind ein offenes Buch. Ich glaube, du solltest gehen, bevor Daisy die Polizei rufen muss.“
Monicas bissiger Blick, den sie Daisy von der Seite zuwarf, verriet ihr, dass die Frau keine Gefahr in ihr sah.
Eine Frau an einem nahegelegenen Tisch – Daisy erinnerte sich, dass sie Colleen Messinger hieß – stand auf und ging zu Monica hinüber. Sie flüsterte Monica etwas ins Ohr.
Die Miene von Harveys Frau schien in sich zusammenzufallen. Sie betrachtete die versammelten Gäste, und Daisy meinte, Tränen in ihren Augen zu erkennen.
Monicas Schultern blieben jedoch wie versteinert. „Dein Anwalt sollte besser einen Termin mit meinem ausmachen. Glaub nicht, dass du mir für immer aus dem Weg gehen kannst.“
Dann, nachdem Mrs. Messinger sie am Ellbogen genommen und zur Tür begleitet hatte, und mit einem letzten Blick auf ihren baldigen Ex-Mann, ging Monica Fitz.
Der Raum schien erleichtert im Chor aufzuatmen. Harveys Kinder hatten nun die Köpfe zusammengesteckt, statt zu streiten, aber sie machten keine Anstalten, aufzustehen. Tatsächlich streckte Harveys Tochter eine Hand nach ihm aus.
Schlugen sich Harveys Kinder jetzt auf die Seite ihres Vaters, weil sie hofften, dass sie immer noch sein Vermögen erben könnten?
Daisy hatte sich von Harveys Tisch entfernt, um dem Ehrengast Zeit zu geben, sich zu sammeln. Auf einem Tisch in der Nähe entdeckte sie leere Teetassen. Als anständige Gastgeberin nahm sie die Teekanne in die Hand, die zwischen den Gästen stand, und füllte ihre Tassen wieder auf. Sie schenkten ihr keinerlei Beachtung, da sie in eine Unterhaltung vertieft waren. Tatsächlich hörte sie, während sie nachschenkte, wie ein Mann sagte: „Um die Münzsammlung zu behalten, die Harvey geerbt hat, hat er das Haus aufgegeben und es Monica überlassen. Ich weiß nicht, was sie sonst noch will. Diese Scheidung kostet ihn gewaltig. Es wird lange dauern, alles wieder reinzuholen, was er an sie abgetreten hat.“
Wenn Monica eine mehr als großzügige Abfindung erhielt, was war dann ihr Problem? Vielleicht war die Scheidung Harveys Wunsch gewesen und nicht ihrer.
Konnte sich das Paar immer noch versöhnen?
Tante Iris betrachtete Harvey erneut, als ob er ihr Schlüssel zu ewigem Glück wäre.
Daisy würde ihrer Tante beistehen, besonders, wenn sie auf ein Desaster zusteuerte. Sie wünschte nur, sie könnte sie davor beschützen.
Kapitel Drei
Nachdem Monica Fitz gegangen war, versuchten alle, eine fröhliche Atmosphäre zu heucheln. Daisy und Iris gingen beide von Tisch zu Tisch und vergewisserten sich, dass die Teetassen gefüllt waren und die Gäste sich willkommen fühlten, trotz dessen, was geschehen war. Tessa sorgte für weitere Sandwiches und Süßspeisen, die Karina und Cora Sue auf Etageren hereintrugen, als die ersten geleert worden waren.
Daisy erblickte Jazzi, die dabei helfen sollte, die Tische abzuräumen. Sie stand neben der Küche, den Rücken Daisy halb zugewandt, und in ihrer Hand –
Daisy erhaschte einen Blick auf Jazzis Smartphone. Vielleicht war es ein Fehler gewesen, ihr eins zu kaufen. Aber Jazzi hatte Vi so sehr vermisst, und so konnten sie miteinander schreiben, sich Fotos schicken und videochatten.
Daisy hatte sich ebenfalls ein neueres Modell zugelegt, damit es mit Jazzis kompatibel war. Sie kannte sich immer noch nicht damit aus.
Harvey Fitz war ein wichtiger Kunde. Er und seine Gäste verdienten für die Dauer der Feier ihre volle Aufmerksamkeit, inklusive Jazzis.
Obwohl Daisy Jazzi nicht noch mehr verärgern wollte, als sie sowieso schon war, ging sie zu ihrer Tochter hinüber und sagte mit gedämpfter Stimme: „Kannst du das Handy weglegen, bis die Feier vorbei ist?“
Sie wartete ab, ob Jazzi erklären würde, was denn so wichtig war, aber Jazzi schwieg. Daisy hielt nichts davon, herumzuschnüffeln, aber irgendwann wollte sie sich Jazzis Handy schnappen und ihre Nachrichten und Anrufe durchsehen, wenn sie gerade nicht hinschaute. Nichtsdestotrotz wusste Daisy, während Jazzi das Handy mit ernster Miene in die hintere Tasche ihrer Khakihose fallen ließ, dass sie in näherer Zukunft ein ernstes Gespräch führen mussten. Irgendetwas stimmte nicht mit ihrer jüngsten Tochter, und sie wollte wissen, was es war.
Jazzi sagte: „Ich schätze, ich soll auch dabei helfen, die Teekannen abzuspülen. Wenn du nicht so auf den altmodischen Look fixiert wärst, könntest du neue kaufen, die du in die Spülmaschine tun könntest.“
Daisy holte tief Luft. Lob fiel ihr leichter als bis zehn zu zählen. „Sieh dich mal um, Jazzi. Mit dieser Teestube verdienen wir unseren Lebensunterhalt, und das können wir, weil Iris und ich sie zu etwas Einzigartigem machen. Wenn wir Teller und Teekannen benutzen würden, die wir in die Spülmaschine räumen könnten, hätte die Teestube eine ganz andere Atmosphäre. Wenn du Angst vor rissigen Händen hast, auf der Damentoilette liegen drei verschiedene Handcremes. Die Aprikosencreme ist besonders gut.“
Jazzi warf ihrer Mutter einen Blick zu, als ob sie von einem anderen Planeten stammte. „Mir geht es nicht um rissige Hände. Sondern um Zeit. Ich will hier raus und zurück nach Hause.“
„Möchtest du eines Tages aufs College gehen?“
„Ja, das weißt du doch.“
„Dann gewöhne dich daran zu arbeiten – und nicht immer dort arbeiten zu können, wo du möchtest. Das Leben ist manchmal steinig, Jazzi. Es kommt darauf an, was wir daraus machen.“
Aber Jazzi wollte ihren Rat nicht hören, zumindest nicht heute. Sie sagte nur: „Ich werde mich darum kümmern, dass alle Plätze abgeräumt sind.“
Daisy wollte ihr noch dazu raten, dies mit einem Lächeln zu tun, aber sie würde ihr Glück nicht herausfordern. Nicht heute. Vielleicht heute Abend.
Plötzlich fragte eine tiefe Stimme hinter ihr: „Jugendliche Rebellion?“
Sie drehte sich um, um Jonas Groft anzusehen. Sie hatte bemerkt, dass er einer von Harveys Gästen war, aber hatte nicht weiter darüber nachgedacht. Jonas, ein ehemaliger Detective aus Philadelphia, gehörte das Möbelgeschäft die Straße runter. Woods war vor etwa einem Jahr eröffnet worden. Niemand kannte so richtig seine Geschichte, oder warum er sich in Willow Creek niedergelassen hatte, aber er kam nachmittags oft für einen Tee vorbei, und sie unterhielten sich über ihre Geschäfte, Willow Creek und die Kunden, die kamen und gingen.
Sie war nicht sicher, ob sie jemals so nah bei ihm gestanden hatte. Jemand hatte erwähnt, dass er neununddreißig war. Er hatte dichtes schwarzes Haar mit ein paar silbernen Strähnen an den Schläfen, und grüne Augen, die eine mysteriöse Intensität an sich hatten. Er war groß und außerordentlich sportlich, mit breiten Schultern und langen Beinen. Er bewegte sich, als wäre er einmal ein Sportler gewesen, aber manchmal kreiste er mit der Schulter, als hätte er sich verletzt. Durch seine reservierte Art hatte sie ihm keine persönlichen Fragen gestellt im Laufe der Monate, die er schon vorbeikam, um ihren Tee zu probieren. Er hatte nie von seinem Privatleben erzählt – und sie nicht von ihrem. Das war okay für sie gewesen. Jetzt, allerdings, fragte er sie etwas Persönliches. Was wusste er denn von jugendlicher Rebellion?
„Wusstest du, dass Teenager eine ganz eigene Spezies sind?“, fragte sie ihn.
Er lachte, und sie freute sich über den Klang, da er die meiste Zeit über melancholisch gestimmt schien.
Seine grünen Augen sahen sie aufmerksam an, während er erklärte: „Ich habe damals in Philly mit Jugendlichen gearbeitet, die von einer außerirdischen Rasse hätten stammen können.“
Sie hatte das Gefühl, dass er nicht nur mit Jugendlichen zu tun gehabt hatte. „Jazzi möchte Geld verdienen, aber nicht hier. Sie soll mir mit der jährlichen Ausgabe unseres Kochbuchs helfen, aber hat in dieser Richtung auch noch nicht viel erreicht. Und warum habe ich kein schlechtes Gewissen dabei, dir gegenüber ihre Verfehlungen aufzuzählen?“, fragte sie mit einem ironischen Lächeln.
„Weil ich mir vorstellen kann, dass du ab und zu einmal etwas loswerden musst.“
„Ich habe Tante Iris.“
„Aber du willst sie nicht belasten“, riet er.
„Du bist ein scharfsinniger Mann.“
„Daran habe ich jahrelang gearbeitet.“
Daisy musste lachen.
„Ich bin so scharfsinnig“, fuhr er fort, „dass mir aufgefallen ist, was für eine schöne Feier du für Harvey veranstaltet hast. Er sieht trotz der unerfreulichen Unterbrechung sehr zufrieden aus.“
„Es kann den Ruf eines Unternehmens schädigen, wenn jemand keinen Spaß hat.“
„Sieh dich um“, sagte er und wies mit einer Geste auf den Raum und die Gäste. „Sie lächeln, trinken, essen, unterhalten sich. Das ist doch genau das, was du dir wünschst, oder?“
„Das stimmt. Ohne die Hilfe meiner Angestellten hätte ich das nicht geschafft.“
Sein schiefes Lächeln verriet ihr, dass ihm ihre Einstellung gefiel. Diese Wertschätzung tat gut.
Er drückte einen Teil dieser Wertschätzung in Worten aus. „Ich bewundere, wie du Daisy’s Tea Garden in Willow Creek zu einer Erfolgsgeschichte machst. Viele Cafés dieser Art scheitern. Aber du hast eine Menge Stammkunden und Touristen, die hier gerne einkehren.“
„Woods wird auch erfolgreich werden. Die Möbel in deinem Geschäft sind wunderschön. Es dauert, sich ein Geschäft aufzubauen. Ich habe gehört, dass du manche der Möbel selbst herstellst.“
„Das stimmt. Das tue ich. Das Schreinern war schon immer ein Hobby von mir.“
Ah, noch etwas, das sie nicht über ihn gewusst hatte.
„Hörst du viel von deiner ältesten Tochter, jetzt, wo sie aufs College geht?“, fragte er und lenkte die Aufmerksamkeit von sich zurück auf sie. Offenbar achtete er auf die Kleinigkeiten. Sie erwähnte Vi und ihre Pläne fürs College oft, wenn sie sich mit ihren Stammkunden unterhielt.
„Sie ruft einmal die Woche an, aber bei unserem letzten Telefonat hat sie gesagt, dass sie viel zu tun hat und möglicherweise erst an Thanksgiving nach Hause kommt.“
„Und das findest du schade?“ Er sah sie an, als wäre er wieder ein Detective, der versuchte, die Wahrheit herauszufinden.
Es gab keinen Grund, unehrlich zu sein. „Ich finde es schade, weil ich ihre Mutter bin und sie sehen will. Ich vermisse sie genauso sehr wie Jazzi. Aber auf der anderen Seite weiß ich, dass sie das meiste aus ihrer Collegezeit herausholen muss. Sie wird Freundschaften schließen, die ein Leben lang halten könnten, und soziale Kompetenzen erwerben, die sie braucht. Aber ich mache mir Sorgen um die Wochenenden dort – alles, was man so übers College hört, inklusive Studentenpartys. Ich will nicht, dass sie in Schwierigkeiten gerät. Da ich nicht in der Nähe bin, habe ich wenig Einfluss darauf, ob das passiert oder nicht. Sie ist nur zwei Stunden entfernt, aber es fühlt sich an, als läge eine ganze Welt dazwischen.“
„Kinder zu haben ist nichts für schwache Nerven.“
„Nein, und Gott sei Dank habe ich meine Eltern, meine Schwester und Tante Iris. Es braucht wirklich ein Dorf, um ein Kind großzuziehen.“
Er sah einen Moment lang nachdenklich aus und sagte dann: „Wenn Kinder auf die schiefe Bahn geraten, haben sie meistens kein Dorf hinter sich. Sie haben meistens nicht einmal die eine Person hinter sich, auf die es ankommt. Ich kann nicht sagen, dass du dir unnötige Sorgen machst, aber mir scheint, dass Jazzi und Vi vieles hinter sich haben – alles, was sie brauchen.“
Daisy betrachtete Jonas’ Gesicht, die Narbe auf seinem Wangenknochen, seine leicht welligen schwarzen Haare, die Intelligenz und vielleicht sogar die Neugier in seinen Augen. An all den Nachmittagen, an denen er vorbeigekommen war, um einen Tee zu trinken, hatten sie nicht so miteinander gesprochen. Er trank seinen Tee gerne aus einer Kaffeetasse, im Gegensatz zum Großteil ihrer restlichen Kundschaft.
Sie hörte, wie jemand ihren Namen rief. Als sie über die Schulter blickte, sah sie, dass Tessa ihr zuwinkte. Ihre Küchenchefin stand am Tisch bei einigen von Harveys Gästen, und zwei von ihnen wollten gehen.
„Ich muss nachsehen, was Tessa von mir möchte.“
„Geh ruhig“, sagte er unbekümmert. „Ich werde jetzt auch gehen. Wir sehen uns.“
„Wir sehen uns“, wiederholte sie, während Jonas zur Tür ging.
Daisy warf Jonas einen letzten Blick zu und durchquerte dann den Raum zu Tessa. Eine der Frauen, die aufgestanden waren, sagte zu Daisy: „Ich wollte Ihnen nur sagen, dass diese Erdbeerschichttörtchen wunderbar geschmeckt haben. Stehen die immer auf der Karte?“
Daisy hatte die Frau vorher noch nie in der Teestube gesehen. „Unser Angebot wechselt jeden Tag, aber Sie können jederzeit etwas bestellen, was Ihnen besonders gut gefällt.“
Die Frau schien erfreut über diese Idee. „Ich würde gerne ein Dutzend Zitronenkekse mit nach Hause nehmen, aber Ihre Bedienung sagte mir, dass Sie nach einer Feier wie dieser nicht so viele vorrätig haben. Heißt das, ich muss morgen zur Teestube kommen, um sie zu kaufen?“
Was sollte sie tun? Natürlich wollte sie, dass die Frau morgen zu ihnen kam, wenn ihre Auslage voller Leckereien war und sie wahrscheinlich nicht nur Zitronenkekse kaufen würde. Allerdings gehörte es zu ihrer Marketingstrategie, ihre Kunden zufriedenzustellen.
„Ich hatte noch ein paar Zitronenkekse beiseitegelegt, die ich heute Abend mit nach Hause nehmen wollte. Die können Sie gerne haben. Ich hole sie eben.“
Als Daisy in die Küche eilte, um die Kekse zu holen, dachte sie nicht an die Frau, die darum gebeten hatte. Sie dachte an Jonas Groft und ihr Gespräch. Ihrer Erfahrung nach neigten besonders Männer dazu, sie zu unterschätzen. Aber das schien bei Jonas nicht der Fall zu sein. Er sah genau, wozu sie fähig war. Sie mochte das Gefühl, das er ihr gab.
Im Laufe der nächsten halben Stunde klang die Feier langsam aus, als sich Harveys Gäste nach und nach auf den Weg machten und ihre Unterhaltung auf der vorderen Veranda – mit gelben Verzierungen des hellgrünen viktorianischen Hauses – weiterführten. Als Ehrengast ging er von Tisch zu Tisch und unterhielt sich mit jedem. Er war ein sympathischer Mann. Schließlich hätte sein Geschäft nicht so erfolgreich werden können, wenn er keine guten PR-Kompetenzen besäße. Laut ihrer Tante packte er als Inhaber selbst mit an, indem er auf die Details achtete, die Auslagen überprüfte und die Bestellungen eigenhändig durchging. Daisy respektierte seine Leidenschaft für Men’s Trends.
Tessa kam zu Daisy herüber und sah sich um. „Jazzi hat gute Arbeit geleistet beim Abräumen, nachdem du mit ihr geredet hast.“
„Ich sollte nicht erst mit ihr reden müssen.“
„Sie ist hinten an ihrem Handy. Soll sie irgendwas tun?“
Nachdem Daisy überlegt hatte, schüttelte sie den Kopf. „Nein. Ich muss Prioritäten setzen, sonst gewinne ich den Krieg nie, auch wenn ich nicht einmal genau weiß, worum es überhaupt geht.“
„Es könnte ein neuer Junge sein, den sie toll findet.“
„Sie ist zu jung.“
Tessa warf Daisy einen Blick zu, der ausdrückte: „Du machst Witze.“
„Okay, dann will ich eben glauben, dass sie zu jung ist“, konterte Daisy. „Ich will wirklich nicht mit ihr über einen festen Freund reden. In ihrem Alter gibt es entweder Doppeldates oder gar nichts.“
„Sie wird dir sagen, dass du im Mittelalter lebst.“
„Vielleicht tue ich das“, sagte Daisy mit einem Seufzen. „Ich wüsste ja nicht einmal, wie man datet. Es ist lange her, dass ich Männern signalisiert habe, dass ich zu haben bin.“
„Du schienst kein Problem damit zu haben, dich mit Jonas zu unterhalten.“
Tessa war eine gute Freundin, und jemand, der vielleicht verstehen konnte, wo sie sich gerade in ihrem Leben befand. „Die Unterhaltung war ein wenig anders als die, die wir normalerweise führen.“
„Vielleicht hat er den ersten Schritt gemacht.“
Daisy lachte laut. „Das glaube ich nicht.“
„Vielleicht solltest du ihn machen.“
Daisy dachte an Cade und wie sie ihn zum Abendessen eingeladen hatte, und dass nichts Romantisches daraus entstanden war. „Das habe ich versucht, und es hat nicht funktioniert.“
In genau diesem Moment verabschiedeten sich die letzten Gäste von Harvey und gingen, während sie miteinander plauderten.
Daisy wollte gerade selbst auf Harvey zugehen, aber entschied sich plötzlich dagegen. Harvey zog Tante Iris zu einem Tisch in der Ecke hinüber, der etwas mehr Privatsphäre bot als die anderen. Er hielt die Hand hoch, als wollte er ihr bedeuten, sitzenzubleiben, ging zu seinem Stuhl und zog etwas aus der Tasche seines Trenchcoats. Als er sich ihrer Tante gegenüber an den Zweiertisch setzte, konnte Daisy sehen, dass er Tante Iris eine Teedose überreichte. Sie war mit Sonnenblumen bemalt und eine gelbe Schleife war darumgebunden. Ihre Tante strahlte ihn an und nickte. Dann stand Harvey auf, ging zu Iris, zog sie auf die Füße und umarmte sie innig.
Daisy hatte das Gefühl, dass sie sich in die Küche zurückziehen sollte, aber dafür war es zu spät.
Als er sie entdeckte, kam Harvey zu ihr herüber und schenkte ihr ein breites Lächeln. „Ich möchte dir nur sagen, wie schön ich diese Feier und deinen Service heute fand.“ Er holte einen Umschlag aus seiner Jackentasche und reichte ihn ihr.
„Du hast mich schon bezahlt“, erinnerte sie ihn.
„Das ist ein Zuschlag, den du dir redlich verdient hast. Alle hatten eine wunderbare Zeit, obwohl meine Frau versucht hat, sie zu ruinieren. Aber das hat sie nicht, und du und deine Angestellten haben beeindruckend souverän weitergemacht, nachdem sie fort war.“
Daisy steckte den Umschlag in ihre Schürzentasche. „Danke.“
Er nickte Daisy zu und sagte: „Dann bis bald“, winkte Iris zu und ging.
Daisy spielte mit dem Umschlag in ihrer Tasche und entschied, das Geld mit ihren Mitarbeitern zu teilen. Sie ging zu dem Tisch hinüber, wo Iris immer noch saß. Sie zeigte auf die Teedose. „Das ist eine wunderschöne Dose. Sie sieht aus, als wäre sie handbemalt.“
„Das könnte sein. Darin steckt einer dieser sehr teuren Silver Needle-Tees aus China. Aber das ist nichts für den Alltag. Noch nicht. Wenn Harveys Scheidung durch ist, werden wir zur Feier des Tages eine Kanne kochen und uns ernsthaft über unsere Beziehung unterhalten. Er ist seit zwei Jahren von Monica getrennt. Ich glaube, er wird mir einen Antrag machen.“
„Und das ist, was du willst?“
„Wir sind beide zu alt, um die Zeit nicht zu genießen, die wir miteinander haben. Findest du nicht auch?“
Was Daisy dachte, war einfach. Harveys Scheidung musste mehr als endgültig sein, bevor er sich ernsthaft auf Tante Iris einlassen konnte. War es so viel einfacher für Männer, die Vergangenheit hinter sich zu lassen?
Sie würde es herausfinden, wenn und falls Harvey Tante Iris einen Antrag machte.
***
Am Dienstagabend war Daisy dankbar, dass in der Teestube den ganzen Tag viel losgewesen war. Normalerweise nahm sie sich einen Tag in der Woche frei, und das war Sonntag, außer, wenn sie eine besondere Feier wie die für Harvey Fitz veranstalteten. In dem Fall hatte sie Montag frei. Also war der vorige Tag damit vollgestopft gewesen, ein paar Besorgungen zu machen, Mahlzeiten für die restliche Woche zu kochen und das Haus aufzuräumen. Als sie heute zurück in die Teestube gekommen war, hatte sie erfreut festgestellt, dass Harveys Jubiläum für einen Zuwachs an Kundschaft gesorgt hatte.
Als Tessa Daisys Schulter knuffte, trug sie bereits ihren Poncho und war auf dem Weg nach Hause. „Uns sind fast wieder die Zitronenkekse ausgegangen. Einige von Harveys Gästen sind heute hereingekommen und haben Dutzende davon gekauft. Sie sind ein Hit. Iris musste ein halbes Dutzend für Harvey retten, bevor ich die letzten verkauft habe. Möchtest du diese Woche irgendetwas Neues auf die Karte setzen?“
„Wie wäre es mit Hühnersuppe? Ich glaube, bei dem kalten Wetter wird das Anklang finden. Mrs. Grant stellt ihre Nudeln selber her, und ich habe welche bestellt.“
„Hast du ein Rezept für die Suppe?“
„Ich habe endlich eins aufgeschrieben, das ich schon seit Jahren koche. Das sollte gut funktionieren.“
„Ich bin auf jeden Fall dafür. Das beruhigt die Seele und den Magen. Vielleicht sollten wir Harveys Frau eine schicken.“
„Tessa“, rügte Daisy.
„Manche der Gäste haben erwähnt, wie unangenehm die ganze Geschichte war. Nicht auszudenken, wie Harvey sich gefühlt haben muss.“
Daisy mochte es nicht, sich an Klatsch und Tratsch zu beteiligen, und davon hörten sie in der Teestube mehr als genug. Sie, Iris und Tessa hatten schon bald herausgefunden, dass sie eine Art Barkeeper waren. Wenn Kunden für eine wohltuende Tasse Tee oder Suppe oder Gebäck hereinkamen, wollten sie sich auch gerne unterhalten. Die meiste Zeit über hörten Daisy und ihre Angestellten einfach zu. Ein Nicken und ein „ach so“ war oft das Richtige, damit sie sich besser fühlten. Verständnis konnte viel bewirken.
„Bleibst du heute noch lange?“, fragte Tessa.
„Ich werde die Speisekarte für morgen durchgehen und sicherstellen, dass alles bereit ist. Tante Iris hat ein Date mit Harvey. Was ist mit dir? Kein Malen heute?“, fragte Daisy.
Normalerweise trug Tessa keinen Poncho, wenn sie wieder hoch in ihre Wohnung ging.
„Ich werde bei Revelations vorbeischauen. Vielleicht kann ich Reese dazu überreden, mit mir essen zu gehen und über Kunst zu reden.“
„Viel Glück.“
Tessa verließ die Teestube durch die Seitentür.
Iris zog ein letztes Mal einen Besen über den Fliesenboden.
„Das kann ich auch machen, wenn du dich auf den Weg machen möchtest“, bot Daisy an.
„Nur weil ich essen gehen und mir ein Theaterstück anschauen werde, heißt das nicht, dass du meine Arbeit machen musst. Ich habe noch eine halbe Stunde, bis ich mich mit Harvey im Garten treffe. Das gibt mir Zeit, ein paar Falten zu überdecken, ein bisschen Mascara aufzutragen und meinen Lippenstift aufzufrischen. Wo ist Jazzi heute Abend?“
„Sie arbeitet an einem Sozialkundeprojekt mit einer Freundin. Ich soll sie gegen neun abholen.“
„Bleibst du bis dahin hier?“
„Ich muss Abrechnungen ins System eingeben, und ich kann an dem Kochbuch arbeiten.“
Tante Iris trug den Besen zum Schrank in Daisys Büro und stellte ihn hinein. Als sie ins Grüne Zimmer zurückkehrte, sagte sie: „Ich habe einen Hosenanzug und schickere Schuhe mitgebracht, die ich anziehen möchte.“ Sie band ihre Schürze los.
„Jetzt verstehe ich, warum du eine halbe Stunde brauchst“, scherzte Daisy. „Für dieses Date reicht nicht nur ein Klecks Lippenstift.“
„Es wird nicht zu schick. Nachdem wir uns im Garten treffen, machen wir einen Herbstspaziergang am Fluss entlang, um die Blätter zu bewundern. Wir freuen uns schon beide auf das Theaterstück am Willow Creek Little Theater heute Abend. Anschließend fahren wir dann zu Harveys Wohnung. Ein Privatkoch wird unser Abendessen zubereiten. Aber er hat mich gebeten, Zitronenkekse mitzubringen, damit wir bis dahin durchhalten.“
„Daran könntest du dich gewöhnen – ein Privatkoch, ein BMW, Kreuzfahrten und Reisen nach Europa.“
Tante Iris runzelte die Stirn. „Wenn du es so sagst, klingt es tatsächlich nach einem ganz anderen Leben, oder? Daran könnte ich mich gewöhnen, solange ich auch die einfachen Freuden genießen kann. Und ich würde auf keinen Fall aufhören wollen, hier mit dir zu arbeiten.“
Daisy glaubte nicht, dass Kreuzfahrten und Europareisen ihrer Tante viel Zeit lassen würden, um in der Teestube zu arbeiten, falls sie und Harvey heirateten. Aber das war ein Thema für einen anderen Tag.
Daisy hatte gerade beschlossen, sich einen Grünen Tee mit Granatapfel zu kochen, als ihre Tante in die Küche zurückkam und aussah, als könnte sie es gar nicht erwarten, auf ein Date zu gehen. Sie war in der Tat geschminkt, was vor Harvey Fitz selten vorgekommen war. Ihr taupefarbener Hosenanzug, die Perlenkette und ihre braunen Halbschuhe waren perfekt für einen Herbstspaziergang und einen Theaterbesuch geeignet. Und das Abendessen bei Harvey? Daisy wusste nicht, was sich dafür eignen würde. Waren Harvey und ihre Tante schon übers Küssen hinausgegangen?
Nicht darüber nachdenken.
Tante Iris nahm ihren kamelbraunen Mantel von der Garderobe im Büro und holte dann die Tüte mit Zitronenkeksen, die sie auf den Tresen gestellt hatte. „Arbeite nicht zu viel“, sagte Iris zu ihr, während sie sie umarmte. „Oh, und kannst du mich morgen früh abholen und zur Arbeit fahren? Ich werde mein Auto hierlassen, da wir wahrscheinlich mit Harveys fahren werden. Er setzt mich dann zu Hause ab.“
„Kein Problem. Möchtest du eine Tasse Tee mit mir trinken, bis er hier ist?“
„Normalerweise ist er pünktlich, manchmal sogar zu früh dran. Ich werde einfach in den Garten gehen und auf ihn warten. Ich sollte wirklich nach dem Thymian und dem Oregano schauen. Wenn nicht genug wächst, musst du sie vielleicht beim Lieferanten bestellen.“
„Bleib aber nicht alleine draußen sitzen, wenn Harvey zu spät kommt.“
„Das werde ich nicht“, versicherte ihre Tante ihr, drückte ihre Hand und ging dann mit ihrer Handtasche und der Tüte mit den Keksen durch die Seitentür in den Garten.
Daisy hatte gerade ihre alte Teekanne mit einem handbemalten fliederfarbenen Muster in die Hand genommen, die für zwei Tassen reichte, als sie einen markerschütternden Schrei hörte.
Das war ihre Tante!
„Tante Iris!“, rief sie, während sie die Teekanne abstellte, durch die Seitentür hinauslief und durch den Garten rannte.
Sie erstarrte, als sie Harvey zusammengebrochen im Kräutergarten liegen sah.
Ihre Tante Iris hatte die Tüte mit den Zitronenkeksen fallengelassen und kniete neben ihm. „Harvey! Harvey!“, rief sie.
Daisy sah jedoch, dass Harvey der Schädel eingeschlagen worden war. Sie sah das Blut. Sie stürzte auf ihn zu, um Harveys Puls zu fühlen und nach irgendeinem Lebenszeichen Ausschau zu halten.
Aber es gab keins.
Harvey Fitz war tot.